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BB 2021, 2857
 

Im Blickpunkt

Abbildung 18

“Die Attraktivität Deutschlands als Wirtschaftsstandort ist in Gefahr.” So lautet der Weckruf in einer PM der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KMPG vom 18.11.2021. Das legten die Ergebnisse der an diesem Tag präsentierten KPMG-Studie “Business Destination Germany 2022” nahe. Für diese seien im Juni–August 2021 360 Chief Financial Officers (CFO) der größten deutschen Tochtergesellschaften internationaler Konzerne aus den wichtigsten Investorenländern (USA, China, Japan, UK, Frankreich, Niederlande, Schweiz, Österreich) befragt worden. Untersucht worden seien dabei die wichtigsten Faktoren des Wirtschaftsstandorts Deutschland im EU-Vergleich. Nach Einschätzung ausländischer Investoren habe es bei keiner der vor zwei Jahren bemängelten Schwächen Verbesserungen gegeben. Deutschland habe laut Umfrage hinsichtlich der Standortfaktoren Steuern, Digitalisierung und logistische Infrastruktur im EU-Vergleich weiter an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Zugleich hätten sich grundlegende Standortstärken, für die Deutschland international bekannt ist und geschätzt wird, verschlechtert: innovationsförderndes Umfeld, Prozessautomatisierung und Arbeitsproduktivität. Besonders für energieintensive Industrien seien die hohen Stromkosten als Folge der Energiewende eine Belastung. Eine besonders schwache Bewertung erhalte das deutsche Steuersystem, dass die befragten CFO es als nicht wettbewerbsfähig einstuften. Auch die hiesigen Arbeitskosten lägen mit durchschnittlich 36,60 Euro pro Stunde gegenüber 28,50 Euro im EU-Durchschnitt relativ hoch. Zudem nähmen Investoren die seit 2018 gegen den EU-Durchschnitt sinkende Arbeitsproduktivität mit Sorge wahr. Zwar investierten internationale Konzerne derzeit in Deutschland in zukunftsweisende Leuchtturm-Projekte wie Google, Tesla oder SVOLT. Aktuell planten aber nur noch 19 % der Befragten in den kommenden fünf Jahren ein Investment von mindestens zehn Mio. Euro pro Jahr in Deutschland. Vor vier Jahren habe dies noch ein Drittel der Befragten (34 %) gewollt. Neben all den negativen Bewertungen gebe es jedoch auch Positives. Dazu zählten die Zuversicht in den Führungsetagen, die Fortschritte bei der Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte sowie die Bewertung des Forschungsstandorts Deutschland.

Gabriele Bourgon, Ressortleiterin Bilanzrecht und Betriebswirtschaft

 
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